Am Abend stehen wir mit Goatie hinter der Blauen Moschee.
Nicht auf einem idyllischen Stellplatz am See, nicht irgendwo ruhig am Waldrand, sondern mitten im pulsierenden Zentrum Istanbuls. Zwischen Gebetsruf, Verkehr, Katzen und dieser besonderen Mischung aus Chaos und Schönheit, die sofort fesselt.
Ein paar Stunden vorher standen wir noch an der bulgarisch-türkischen Grenze und warteten darauf, dass Goatie durch den X-Ray darf.
Aber von Vorne: Der Morgen beginnt in Plovdiv noch langsam. Frühstück, Supermarkt, Vorräte auffüllen und weiter Richtung türkische Grenze. Das Wetter ist gut, keine Regenwolke in Sicht und die Stimmung passt dazu. Langsam entsteht so etwas wie ein Rhythmus. Noch nicht perfekt eingespielt, aber immerhin mit einer gewissen Logik.
Unterwegs überlegen wir, ob wir uns eigentlich auch filmen sollten wie die ganzen Reise-Influencer. Material gäbe es genug. Manchmal ist das hier nämlich ein ziemliches Kabarett.
Ob die Welt dafür bereit ist, wissen wir allerdings nicht.
Die Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei zieht sich dann etwas. Es ist kein Drama, aber es dauert. Ein Schalter hier, ein kurzer Stopp dort, warten, weiterrollen, wieder warten. Goatie muss zum X-Ray, wir warten noch ein bisschen mehr, und irgendwann fühlt es sich an wie ein kleiner Vorgeschmack auf die Grenzen, die auf dieser Reise noch vor uns liegen.
Aber alles bleibt unkompliziert. Ein bisschen hin, ein bisschen her, ein bisschen Geduld und dann sind wir in der Türkei.
Es fühlt sich sofort anders an.
Neue Sprache, andere Schilder, anderer Rhythmus. Die Reise bekommt eine neue Farbe. Nicht schlagartig, nicht dramatisch, aber spürbar.
Das heutige Ziel: Istanbul.
Nicht irgendwo vorsichtig an den Rand. Nicht langsam herantasten. Sondern rein in die pulsierende Altstadt.
Am Ende landen wir auf einem Parkplatz hinter der Blauen Moschee. Nicht gerade idyllisch im klassischen Sinne. Kein See, keine Berge, kein stiller Wald. Dafür: Istanbul direkt vor der Tür. Als Nachtlager ziemlich spektakulär.
Bevor wir schlafen, gehen wir noch auf eine erste Erkundungstour durch die Stadt. Istanbul empfängt uns laut, lebendig und mit dieser besonderen Mischung aus Chaos und Schönheit, die man schwer beschreiben kann, ohne sofort in große Worte abzurutschen.
Menschen, Gerüche, Stimmen, Verkehr, Licht, Katzen, Moscheen, Gassen, Händler, Touristen, Einheimische, Lärm, Ruheinseln. Alles gleichzeitig.
Genau richtig für den ersten Abend in der Türkei.
Am Abend ruft der Muezzin zum Gebet. Dominik freut sich sichtbar schon darauf, um 4:30 Uhr wieder davon geweckt zu werden.
Nicht.
Am Ende hört es dann natürlich nur Angelika, die mal wieder früh wach ist. Dominik schläft durch.
Auch das ist offenbar Teil unserer Arbeitsteilung.
Nach dem Frühstück geht es rein in die Stadt.
Istanbul macht es einem nicht schwer, viele Fotos zu machen. Moscheen, Gassen, Katzen, Menschen, Licht, Chaos, schöne Details an jeder Ecke. Eine dieser Städte, in denen man eigentlich nur loslaufen muss und trotzdem ständig stehen bleibt.
Wir treiben durch die Altstadt, schauen, fotografieren, lassen uns ein bisschen treiben. Zwischen Blauer Moschee, Hagia Sophia und den kleinen Straßen drumherum spürt man die Stadt am Besten.
Es ist keine Stadt, die man mal eben versteht. Schon gar nicht an einem Tag. Aber vielleicht muss man das auch nicht. Für den Anfang reicht es, sich hineinzubegeben, staunend und manchmal leicht überfordert, mit offenen Augen und möglichst viel Geduld.
Zurück am Bus folgt dann ein weiterer Meilenstein unserer Reise: die erste kalte Dusche an Goatie.
Diesen Frischekick gönnt sich allerdings nur Dominik. Angelika ist dafür doch etwas zu zart besaitet.
Neben uns stehen zwei Koreaner mit ihrem eigenen Bus. Natürlich kommt man schnell ins Gespräch. Über Routen, Länder, Autos und all die kleinen Absurditäten, die so eine lange Reise mit sich bringt. Es ist immer wieder schön, Menschen zu treffen, die auf ihre eigene Art in eine ähnliche Richtung unterwegs sind.
Am Abend gehen wir noch einmal raus zum Essen.
Istanbul liefert auch hier: viel Geschmack, viel Betrieb, viel Stadt. Nach einem vollen Tag fallen wir irgendwann müde zurück in unser kleines Nachtlager hinter der Blauen Moschee.
Es war kein ruhiger Einstieg in die Türkei. Kein langsames Ankommen, kein vorsichtiges Herantasten. Istanbul hat die Tür aufgerissen, uns hineingezogen und erst spät am Abend wieder ausgespuckt – müde, satt und ziemlich beeindruckt.
Definitiv einer dieser Orte, die wir nicht so schnell vergessen werden.


